Der reißende Strom wird gewalttätig genannt,
aber das Flussbett, das ihn einengt,
nennt keiner gewalttätig.
(Berthold Brecht)


»Traumapädagogik«, Jakob Bausum, Lutz Besser, Martin Kühn, Wilma Weiß (Hrsg.) 2009

Traumatisierung im Kindesalter kann als eine Lebenserfahrung verstanden werden, in welcher Flucht und/oder Kampf nicht mehr möglich ist und wird mit einer »tiefgreifenden seelischen Verwundung« beschrieben. Diese extreme Situation ist für Kinder so überfordernd, da sie dieser hilflos, wehrlos und unentrinnbar ausgeliefert sind. In einer solchen Situation überfluten starke innere und äußere Eindrücke die kindliche Wahrnehmung. Kinder haben weniger Möglichkeiten als Erwachsene, belastende Erfahrungen psychisch abzuwehren und zu bewältigen.

Traumatische Erfahrungen und damit verbundene Gefühle, Gedanken, Körperempfindungen sowie Verhaltensmuster können aufgrund der Überlastung der Sinnessysteme nicht auf gewohnte Weise ins Gedächtnis eingeordnet werden. Der Verlust der Fähigkeit, die Intensität von Gefühlen und Handlungsimpulsen zu kontrollieren, ist für Kinder die weitreichendste Folge traumatischer Belastungen. Die innere Selbstregulation wird meist noch weiter gestört, wenn sichere Bindung zu den Eltern fehlt. Wenn die innere Selbstregulation nicht ausreicht, den emotionalen Zustand »erträglich« zu machen, versuchen Kinder, diesen mit Hilfe von äußeren Verhalten zu regulieren. Dies kann sich beispielsweise in selbstschädigenden Verhalten, Aggressionen, Essstörungen und Sucht bemerkbar machen. Auch im Kindergarten und später im schulischen Alltag zeigen sich Verhaltensweisen, die für Familienmitglieder, Erzieher und Lehrer nicht zu verstehen und einzuordnen sind. Da traumatisierte Kinder schneller erregbar sind, fällt es ihnen schwer sich zu konzentrierten und somit bleibt wenig Energie für kognitive und soziale Lernprozesse. Sie sind oftmals sehr wütend, scheinen unerreichbar und driften in ihre Phantasiewelten ab. Gegenwart, Vergangenheit und Zukunft können nicht mehr miteinander verknüpft werden.

Traumatische Flashbacks oder Reinszenierung erlebter Inhalte sind oft im Alltag der Familienmitglieder sichtbar und werden von uns begleitet. Hierbei ist unsere Haltung und die Sicht auf Traumatisierung im transgenerationalen Kontext von entscheidender Bedeutung, um Handlungen und Gefühle richtig zu deuten, sowie Räume zu eröffnen, um die Verhaltensweisen der Kinder einzuordnen und zu verstehen. Es besteht ein enges Netzwerk und fachlicher Austausch zu Therapeuten.

Zusammenfassend geht es um ein sozialpädagogisches Handeln, dass Eltern unterstützt traumareaktive Muster im System zu erkennen, traumabezogenen Verhaltensweisen von sich und ihren Kindern zu verstehen und den Zugang zu den Selbstgestaltungsfähigkeiten der Familie zu ermöglichen.

Methoden und flexible Hilfeform

Bindungspädadagogik i. S. korrigierender Bindungserfahrung sowie Neuerfahrung nach Traumata,
Module zur Unterstützung der SELBST-Entwicklung
(SELBST-Wahrnehmung,-Bewusstheit,-Vertrauen und -Behauptung)
soziale Gruppenarbeit (im Rahmen der Hilfe, zeitweilig)
Stabilisierungsübungen
Biographiearbeit aus transgenerationaler Perspektive

Weiterführende Hilfen

Beratung und Begleitung von Fachkräften (Erzieher, Lehrer, Pflege,-und Adoptionsfamilien...)